Selim Karawanserei

Im 12.-14. Jahrhundert blühten die Städte des mittelalterlichen Armeniens. Der Handel entwickelte sich. Mit der Entwicklung der kirchlichen Architektur entwickelte sich auch der Bau von profanen Gebäuden, insbesondere von Karawansereien. Dies war für die Entwicklung des Landes von grosser Bedeutung, da es die Verbindung zwischen den Städten und die ruhige und regelmässige Bewegung der kommerziellen Karawanen sicherstellte.

Karawansereien waren normalerweise in der Richtung der Haupthandelsstraßen, in einem Abstand von einem Tag, der ungefähr 40 Kilometer war. Sie wurden an günstigen Orten gebaut, wo es Wasser gab und keine Schneestürme und Wind waren. Es sind Karawansereien nicht nur in der Republik Armenien, sondern auch in verschiedenen Bezirken des historischen Armeniens erhalten. Unter den wichtigsten Karawansereien des mittelalterlichen Armeniens ist der Selim der am besten erhaltene und berühmteste.

Kamele und Maultiere müssen hier wahrlich auf ihre Kosten gekommen sein. Die Selim Karavanserei ist ein herausragendes Beispiel der armenischen weltlichen Architektur des Mittelalters.

Sie erinnert daran, dass hier im Mittelalter eine wichtige Handelsstrasse vorbeiführte, welche Süd und Nord, die arabisch-persische Welt mit den Ländern des Kaukasus verband.

Eine persische Inschrift an der Aussenseite wie auch eine unauffälligere armenische auf der Innenseite des Eingangstympanons geben Auskunft über den Bauherrn, den Prinzen Tschesar Orbelian, und das Erbauungsjahr 1332. Dies ist ein Hinweis auf die unterschiedliche Nationalität der Benutzer, aber auch auf die Achtsamkeit der Besitzer. Bei dieser Anlage handelt es sich um einen langen, gewölbten Saal, der durch ein kleines Gebäude verlängert wird. Über dem Tor dieses Vorbaus befindet sich ein kegelförmiges Tympanon, das mit Stalaktiten und Inschriften seldschukischer Herkunft verziert ist. Auf beiden Seiten des Portals, über den seitlichen Konsolen, bewachen ein Stier und eine Chimäre, aus grauem und orangenem Vulkangestein gehauene Hochreliefs, den Eingang der Karawanserei. Die Karawanserei hat nur einen einzigen Eingang an einem Ende. So machte man das Gebäude nicht leicht vertretbar für die Diebe.

Die Haupthalle der Karawanserei ist durch sieben Säulenpaare in drei Schiffe unterteilt. Die beiden schmaleren Seitenschiffe wurden für die Kaufleute und ihre Waren verwendet, während die Tiere in der zentralen gehalten wurden. Im Gebäude selbst dürften nur Menschen untergebracht worden sein, während man die Tiere draussen anpflockte. Steintröge wurden für Futtermittel für die Tiere bereitgestellt, und in einer Ecke befindet sich ein Basalttrog, um sie mit Wasser zu versorgen. Licht und Belüftung wurden durch kleine Öffnungen im Dach geschaffen, aber das Innere ist dunkel und eine Taschenlampe ist nützlich. Im Osten der Karawanserei befindet sich eine grosse, halb begrabene Gewölbekapelle. Wenn man all diese Arrangements betrachtet, ist es möglich, ein Bild vom Leben der Händler aus dem 14. Jahrhundert zu machen, die diesen Weg gegangen sind, in einem Ausmass, das in Europa selten zu erleben ist.

Die Karawanserei, die im 15.-16. Jahrhundert zerstört wurde, wurde 1956-1959 renoviert. Die Restaurierung hat die Atmosphäre nicht beeinträchtigt und es ist nur zu hoffen, dass die stark gestiegenen Besucherzahlen sie ebenfalls unversehrt lassen werden.

Dieser Ort ist sehr interessant für Einheimischen sowie Ausländer, die eine Reise in Armenien machen. Die schöne Natur der Provinz Wajoz Dsor macht diese Gegend noch faszinierender und beliebter. Man kann hier die Hauptstadt Jeghegnadsor besuchen.

Die Provinz beherbergt viele antike Sehenswürdigkeiten und Touristenattraktionen in Armenien, darunter den Höhlenkomplex und das Weingut Areni-1 aus der Chalkolithik, das Kloster Tanahat aus dem 8. Jahrhundert, die Festung Smbataberd aus dem 10. Jahrhundert und Norawank aus dem 13. Jahrhundert. In Wajoz Dzor befindet sich auch die Kurstadt Dschermuk.