Aragaz

Der Aragaz auf dem armenischen Hochland im Nord-Westen Armeniens gehört zur Gebirgskette des Kleinen Kaukasus. Mit seinen 4095 Höhenmetern ist er der höchste Punkt Armeniens. Einst war der Aragaz wohl der grösste Vulkan der Welt, der nun schon seit dem Ende des Pleistozäns nicht mehr aktiv ist. Er ragt wie ein gewaltiger Kegel in den Himmel. Vier Gipfel bilden den Vulkankrater: der Ostgipfel (3650 m), der Südgipfel (3879 m), der Westgipfel (4080 m) und der Nordgipfel (4095 m). Sein Krater ist 400 m tief, sein Durchmesser beträgt 3 km. Aufgrund seiner Höhe hat der Gipfel von Aragaz nicht nur im Winter eine Schneehaube, sondern auch im Sommer. Auch mehrere Karstseen – Qari Litsch, Amberd See usw. – lassen sich auf ihm entdecken. Qari Litsch, der Steinsee, der grösste unter ihnen, ist ein Süsswassersee, der sich auf 3250 m ü. M. befindet. Die Bergwiesen, die von bunten Blumen strotzen, die reine Luft, in die sich die schneebedeckten Gipfel einzeichnen, verleihen dem Gesamtbild einen einmaligen herben Charme.

Um den Vulkan herum sind zahlreiche Gravierungen zu sehen, darunter Felsmalereien mit Darstellungen von Tieren und menschenähnlichen Figuren im Kasagh Flusstal, die sehr alt sind. Der armenischen Überlieferung nach stammt der Name Aragaz aus den Wörtern „Ara“ und „gah“, was übersetzt „Thron von Ara“ bedeutet. Ara ist eine Heldfigur, die als Ara der Schöne bekannt ist. Aragaz wurde vom frühmittelalterlichen Historiker Movses Khorenatsi erwähnt. In seiner Geschichte der Armenier behauptet Khorenatsi, dass der Berg nach Aramanjak benannt ist, dem Sohn von Hajk, dem legendären Vater des armenischen Volkes. Aramanjak nannte seine Besitzungen "der Fuß von Aragaz". Die moderne Provinz Aragazotn, die vom Berg dominiert wird, wurde 1995 gegründet. Aragaz ist 40 Kilometer nordwestlich von der armenischen Hauptstadt Jerewan entfernt. Es gibt viele Legende über diesen Berg. Laut einer alten armenischen Legende waren Aragaz und der Berg Ararat liebende Schwestern, die sich nach einem Streit trennten. Derzeit befinden sich die beiden Berge in verschiedenen Ländern, Ararat ist in der heutigen Türkei zu besichtigen. Eine andere Legende erzählt, dass Gregor der Erleuchter, der im frühen 4. Jahrhundert Armenien zum Christentum bekehrte, auf dem Gipfel des Berges betete. Nachts beleuchtete seinen Weg eine Ikonenlampe, die am Himmel hing. Einige sagen, dass diese Lampe immer noch da ist, aber nur die Würdigen können sie sehen.

Der Berg hat eine grosse Rolle in der armenischen Geschichte und Kultur gespielt. Zahlreiche armenische Dichter haben über diesen Berg geschrieben. Die Künstler haben den Berg oft gemalt. In der Nationalgalerie von Armenien können einige von diesen Bildern besichtigt werden. Viele historische und moderne Monumente sind auf seinen Abhängen gelegen. Die frühmittelalterliche Festung Amberd und die nahe gelegene Vahramaschen-Kirche aus dem 11. Jahrhundert liegen an den Hängen des Aragaz auf einer Höhe von 2300 Metern. Eine Quelle nennt Amberd die "größte und am besten erhaltene Festung" im heutigen Armenien. Nicht weit entfernt befindet sich das Observatorium von Bjurakan, das 1946 von Viktor Hambarzumjan gegründet wurde. Es liegt an den Südhängen von Aragaz in der Nähe des Dorfes Bjurakan auf einer Höhe von 1405 Metern. Das Observatorium hat die Astrophysik in Armenien im 20. Jahrhundert entwickelt.

Heute ist Aragaz ein beliebtes Touristenziel. Viele einheimische sowie ausländische Touristen besteigen diesen Berg. Eine herrliche Aussicht eröffnet sich vom Gipfel des Aragaz. Von seinem Gipfel ist der grösste Teil des kleinen und grossen Kaukasus zu besichtigen. Auch der höchste Berg Europas, Elbrus (5642) ist von hier zu sehen.